Gorgo

Gọr|go 〈f.; -, -go|nen; meist Pl.; grch. Myth.〉 weibl. Ungeheuer mit versteinerndem Blick u. Haar aus Schlangen [zu grch. gorgos „furchtbar, wild“]

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Gọrgo
 
[griechisch gorgós »furchtbar«, »schrecklich«], griechisch Gorgo, griechischer Mythos: ein weibliches Ungeheuer, dessen grauenvolles Haupt schon von Homer erwähnt wird. Die Mythisierung der Gorgo setzte mit Hesiod ein, der drei Gorgonen kennt: Stheno, Euryale und Medusa. Sie waren unsterblich außer Medusa (auch Gorgo genannt), der Perseus abgewandten Gesichts das Haupt abschlug (da der Anblick versteinernd wirkte) und es der Göttin Athene schenkte, die es seitdem in ihrem Schild führte. Aus dem Leib der Medusa, die sich in Rossgestalt mit Poseidon vereinigte, gingen die Pferde Pegasos und Chrysaor hervor.
 
Seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. finden sich Darstellungen der drei Gorgonen mit breiten, maskenartigen Gesichtern, Schlangen an Kopf oder Gürtel und (vier) Flügeln, meist mit Perseus, in der Vasenmalerei auch ohne ihn. Medusa (Gorgo) wird auf böotischen Reliefamphoren des 7. Jahrhunderts (Paris, Louvre) nicht menschen-, sondern pferdegestaltig wiedergegeben. Ins 7. Jahrhundert gehören auch die ganzfigurigen Gorgonengestalten auf den Metopen in Syrakus (Archäologisches Museum), ins 6. Jahrhundert die auf Metopen vom Tempel C in Selinunt (Palermo, Museum); die Giebelfigur des 6. Jahrhunderts v. Chr. vom Artemistempel in Korfu (Museum) stellt Medusa als Herrin der Tiere (Potnia Theron) im Sprung dar. Häufig ist das Gorgoneion (Haupt der Medusa) auf der Aigis, an Schilden, Pferden, Panzern, Toren, Türen, Gerät (Lampen, Trinkschalen), Schiffen, auf Gemmen oder Grabmälern angebracht. Es galt als Unheil abwehrend. Die Etrusker übernahmen das Gorgomotiv (z. B. als Stirnziegel am Dach). Seit Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. milderte sich der Ausdruck des Schrecklichen. Während die Medusa Rondanini (römische Replik eines griechischen Originals des frühen 4. Jahrhundert v. Chr.; München, Glyptothek) die Züge kalter Schönheit trägt, ist ihr Bild im Hellenismus von schmerzlichen Zügen geprägt. Das Mittelalter kannte die Gorgo vereinzelt als Fratze, u. a. in der Bauplastik. Auch in der Neuzeit wurde das Thema aufgegriffen (u. a. von Leonardo da Vinci, B. Cellini, P. P. Rubens, A. Schlüter).
 
 
J. Floren: Studien zur Typologie des Gorgoneion (1977);
 J.-P. Vernant: Tod in den Augen. Figuren des Anderen im griech. Altertum. Artemis u. G. (a. d. Frz., 1988).
 

Universal-Lexikon. 2012.

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